Die Geschichte des Auto Union Lucca führt zurück in eine Epoche, in der Geschwindigkeit zum Symbol technischer Überlegenheit wurde. Während Mercedes-Benz und Auto Union in den 1930er Jahren auf Rennstrecken und Rekordfahrten gegeneinander antraten, entstand mit dem Lucca-Wagen eines der radikalsten Fahrzeuge seiner Zeit. Audi Tradition hat diesen Wagen nun anhand historischer Dokumente und Fotos originalgetreu wieder aufgebaut. Die erste öffentliche Vorstellung erfolgte Anfang Mai 2026 im italienischen Lucca – genau dort, wo Hans Stuck 1935 mit dem Original einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte.
Auto Union Lucca auf einen Blick
| Fahrzeugtyp | Historischer Rekord- und Rennwagen |
| Original-Rekordjahr | 1935 |
| Fahrer damals | Hans Stuck |
| Rekordgeschwindigkeit | 326,975 km/h |
| Motor | 16-Zylinder-Kompressormotor |
| Neuaufbau | Audi Tradition & Crosthwaite & Gardiner |
| Besonderheit | Einer der aerodynamischsten Silberpfeile der 1930er Jahre |
| Erster öffentlicher Einsatz | Goodwood Festival of Speed 2026 |
Ein Rekordwagen aus einer anderen Zeit
Die 1930er Jahre gelten bis heute als die goldene Ära der Silberpfeile. Grand-Prix-Rennen, Rekordfahrten und technische Innovationen entwickelten sich damals beinahe im Monatsrhythmus weiter. Auto Union, erst 1932 aus Audi, DKW, Horch und Wanderer entstanden, wollte sich gegen Mercedes-Benz behaupten und setzte dabei auf neue technische Konzepte wie den Mittelmotor. Bereits 1934 erzielte die Marke mehrere Weltrekorde mit Rennfahrer Hans Stuck. Doch der Konkurrenzkampf mit Mercedes wurde immer intensiver.
Um den bestehenden Rekord von Rudolf Caracciola zu schlagen, entwickelte Auto Union daraufhin einen völlig neuen Hochgeschwindigkeitswagen. Dabei kamen erstmals umfangreiche Windkanaltests zum Einsatz – damals ein absolutes Novum im europäischen Rennwagenbau. Die Ingenieure optimierten die Karosserie konsequent auf minimalen Luftwiderstand. Das Ergebnis war eine extrem langgezogene Rennlimousine mit geschlossenen Radhäusern, verkleideten Speichenrädern und einem fast tropfenförmigen Heck.

326 km/h im Jahr 1935
Die Rekordfahrt selbst entwickelte sich zu einem technischen Abenteuer. Ursprünglich plante Auto Union die Versuche in Ungarn, doch schlechtes Wetter und technische Probleme zwangen das Team mehrfach zum Ortswechsel. Erst nahe der italienischen Stadt Lucca fand sich eine geeignete Strecke: eine nahezu pfeilgerade Autostrada zwischen Pescia und Altopascio. Dort gelang Hans Stuck am 15. Februar 1935 schließlich der große Durchbruch.
Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 320 km/h über die fliegende Meile und einer gemessenen Spitzengeschwindigkeit von 326,975 km/h galt der Wagen damals offiziell als „schnellster Straßenrennwagen der Welt“. Für die damalige Zeit war das nahezu unvorstellbar. Viele Serienautos fuhren kaum schneller als 100 km/h, während der Lucca-Wagen bereits in Geschwindigkeitsbereiche vordrang, die selbst moderne Fahrzeuge respektieren müssen.
Technik als Kunstform
Besonders faszinierend ist die Verbindung aus Technik und Design. Der Auto Union Lucca wurde nicht aus optischen Gründen so geformt, sondern ausschließlich für maximale Geschwindigkeit entwickelt. Trotzdem entstand dabei eines der elegantesten Rennfahrzeuge seiner Zeit. Die lange Heckfinne, die flache Front und die geschlossene Cockpitkanzel wirken auch heute noch wie ein futuristisches Konzeptfahrzeug.
Audi Tradition ließ den Wagen in England von den Restaurationsspezialisten Crosthwaite & Gardiner komplett neu aufbauen. Die Karosserie wurde in Handarbeit gefertigt, zahlreiche Bauteile mussten anhand alter Fotos rekonstruiert werden. Besonders aufwendig war die Herstellung der aerodynamischen Aluminiumteile. Selbst moderne Messungen im Audi-Windkanal zeigen, wie fortschrittlich die Konstruktion war: Der cW-Wert liegt bei beeindruckenden 0,43.

Mehr Leistung als das Original
Während das historische Fahrzeug mit rund 343 PS unterwegs war, nutzt der neu aufgebaute Auto Union Lucca heute einen stärkeren 16-Zylinder-Motor aus dem späteren Auto Union Typ C. Der Kompressor-Motor liefert 520 PS und basiert technisch auf historischen Rennaggregaten der Marke. Trotz moderner Anpassungen blieb der Wagen optisch und technisch möglichst nah am Original. Einige Veränderungen wurden allerdings bewusst vorgenommen, um die Haltbarkeit bei Demonstrationsfahrten zu verbessern.
Interessant ist auch die Kraftstoffmischung: Der Motor läuft mit einer historischen Mischung aus Methanol, Superbenzin und Toluol. Moderne Sicherheitsanforderungen treffen hier also auf authentische Renntechnik aus der Vorkriegszeit.
Goodwood wird zur nächsten Bühne
Nach seiner Premiere in Italien soll der Auto Union Lucca im Juli 2026 erstmals öffentlich in Bewegung gezeigt werden. Beim berühmten Goodwood Festival of Speed in Großbritannien wird der Wagen seinen ersten fahrdynamischen Einsatz absolvieren. Gerade dort dürfte die Rennlimousine perfekt zur Geltung kommen, denn Goodwood gilt als eines der wichtigsten historischen Motorsportevents der Welt.
Der Lucca-Wagen zeigt eindrucksvoll, wie eng Motorsport, Technikentwicklung und Markenimage schon vor fast 100 Jahren miteinander verbunden waren. Gleichzeitig verdeutlicht das Projekt, welchen Stellenwert historische Fahrzeuge heute bei Audi Tradition besitzen. Statt bloßer Ausstellungsexponate entstehen fahrbereite Maschinen, die Geschichte wieder erlebbar machen.

Technische Daten des Auto Union Lucca
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | 16-Zylinder mit Kompressor |
| Hubraum | 6.005 ccm |
| Leistung | 520 PS |
| Leergewicht | 960 kg |
| Länge | 4.570 mm |
| Historische Höchstgeschwindigkeit | 326,975 km/h |
| Kraftstoff | Methanol / Superbenzin / Toluol |
| Außenfarbe | Cellulose Silver |
| Stückzahl | Unikat |
Zusammenfassend – einfach erklärt
Der Auto Union Lucca ist weit mehr als nur ein restaurierter Rennwagen. Er steht für eine Zeit, in der Motorsport zum technologischen Experimentierfeld wurde und Ingenieure mit immer extremeren Konstruktionen die Grenzen des Machbaren verschoben. Audi Tradition hat diesen Mythos nun wieder fahrbereit gemacht – nicht als Showcar, sondern als echtes Stück lebendiger Motorsportgeschichte. Besonders beeindruckend bleibt dabei, wie modern die Technik und Aerodynamik eines fast 100 Jahre alten Fahrzeugs noch heute wirken.